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  • AutorenbildAndy

Das OM SYSTEM 150-600mm F5.0-6.3 IS MFT Superzoom

Aktualisiert: 2. Feb.


Das neue OM SYSTEM M.Zuiko DIGITAL ED 150-600mm F5.0-6.3 IS im Praxiseinsatz


Eine Überraschung, die ich gelungen finde. Irgendwie hat niemand damit gerechnet, dass OM SYSTEM mit so einem Objektiv daherkommt, da es ja bereits ein kostengünstiges DIGITAL ED 100-400mm f5.0-6.3 IS und das grandiose, aber teure M.Zuiko 150-400mm f4.5 TC 1.25 IS PRO gibt.

Beim näheren hinschauen macht das aber absolut Sinn und ich bin beeindruckt von der Marktstrategie, die dahinter steckt.


Ich versichere an dieser Stelle, dass ich auch als Ambassador von OM SYSTEM keinerlei Information zur Strategie bekam, oder sonst irgendwelches "Geheimwissen" habe. Ich betrachte das Ganze aus meiner Perspektive als ambitionierter Naturfotograf.


Deshalb meine Schlussfolgerung:


  1. Es ist ein Objektiv, das konsequent der neuen Philosophie "Kacho Fugetsu" dient.

  2. Es kann als spannendes Upgrade des M.ZUIKO 100-400 f5-6.3 betrachtet werden, da es mehr Brennweite bei gleicher Lichtstärke und einer synchronisierten Bildstabilisierung liefert.

  3. Das DIGITAL ED 150-600mm f5.0-6.3 IS ist ganz offensichtlich ein Objektiv, das nicht von OM-DS, sondern von Sigma hergestellt wird. Das hört OM-DS zwar nicht gerne, aber dadurch bietet das qualitativ solide und allseits bekannte "Volumendesign" von Sigma an MFT einen enormen Brennweitenbereich (300mm - 1.200mm KB Equivalent) mit ordentlicher Qualität zu einem vernünftigen Preis, der für Hobbyfotografen sehr attraktiv ist. Das macht absolut Sinn und ich vermute, dass die optische Qualität durch den kleineren Bildkreis am MFT sogar besser wirkt als an VF!


Schauen wir uns an, was es kann:


Schwanzmeise - OM-1 MkII - OM 150-600mm f5.0-6.3; 600mm; f6.3; ISO 640; 1/1600s

Erster Eindruck

Nach dem Auspacken hatte ich den Eindruck, dass ich das Sigma 150-600mm F5-6.3 DG DN OS Sports in der Hand halte. Es sieht fast identisch aus, auch wenn OM SYSTEM draufsteht. Deshalb spekuliere ich auch, dass dieses Objektiv auf dem o.g. Sigma aufbaut, für OM SYSTEM modifiziert wurde und von Sigma als OEM auch hergestellt wird. Da es sicherlich mechanisch etwas an MFT angepasst werden musste, wanderten die Bedienelemente vor die Stativschelle, die ähnlich wie beim Sigma sind und stattdessen ist zum Kamera-Anschluss hin die Verjüngung etwas anders. Das wars aber dann schon an mechanischen Unterschieden, die man von aussen sehen kann.


Das finde ich garnicht verwerflich, denn mit dieser Zusammenarbeit kann OM SYSTEM vom qualitativ guten Volumenprodukt seitens Sigma ein ausgereiftes und preislich attraktives Objektiv bieten, das durch den geringeren Bildkreis so manchen Vorteil bietet. So z.B. die enorme Brennweitenwirkung von 300-1200mm auf Vollformat bezogen. Wenn die Firmware gut an die OM SYSTEM Kameras angepasst ist, dann wird daraus eine sehr attraktive Kombination für Tier- und Vogelfotografen.


Also raus zum Testen, und zwar nach Anklam, um die scheuen Singschwäne zu suchen und zu fotografieren. Ich war gespannt, wie sich das Objektiv in der Praxis und im Vergleich zum "Großen Bruder" schlägt.

Der Vergleich mit dem "Grossen Bruder"


Unfair, aber naheliegen, denn das M.ZUIKO 150-400mm F4.5 TC1.25 IS PRO ist eine absolute Meisterlinse (siehe hier: 150-400mm Meisterlinse).


Aber soviel vorweg... der Unterschied ist nur in den Details zu finden und deshalb ist das Objektiv eine absolut interessante Alternative zur "Meisterlinse", wie ich sie nenne.


Vier Gründe, die dafür sprechen:

  1. Der Preis ist mit ca. 2.600 EUR nur ein Drittel des Preises

  2. Mit 600mm Brennweite (1200mm KB) und nur ca. einer Blendenstufe weniger Licht echt interessant und

  3. Der synchronisierte Bildstabilisator ist fast auf dem gleichen Niveau

  4. sogar der MC20 liefert noch brauchbare Ergebnisse und erweitert damit auf wahnsinnige 2400mm (KB-equivalent)

  5. Gewicht und Größe ist vergleichbar



Grösse und Gewicht sind sehr ähnlich, wenngleich die beiden Objektive völlig unterschiedliche Konstruktionen haben. Im Rucksack brauchen beide System ähnlich viel, oder besser gesagt wenig Platz bei enormer Brennweite. Mit 95mm ist die Frontlinse beider Objektive identisch, Das 150-600er braucht mit Sonnenblende und 12cm Durchmesser aber ca. 1cm weniger Platz und ist mit ca. 27cm Länge etwas kürzer (ca. 6cm) als der "Grosse Bruder".

Das Komplett-System mit Kamera bringt 2,8kg auf die Waage und ist damit sehr gut auf Dauer aus der Hand nutzbar. (Das Objektiv alleine wiegt ca. 2.2Kg)


Nur wenig Nachteile

Die Nachteile sind in der Tat garnicht so massiv, wie das z.B. beim günstigen DIGITAL ED 100-400mm f5.0-6.3 IS der Fall ist.


  1. Insgesamt ist die Freistell-Leistung und die Lichtausbeute um ca. eine Blendenstufe geringer über die Brennweiten hinweg. Da MFT eh schon mit 1/4 Licht gegenüber VF-Sensoren auskommen muss eine Frage, ob man das in Kauf nehmen will.

  2. Die Bildqualität ist geringfügig, aber sichtbar schwächer an den Brennweite-Grenzen bzw. bei Offenblende.

  3. Die Naheinstellgrenze ist deutlich größer als beim 150-400mm f4.5 PRO (am langen Ende) und schränkt dadurch die Nutzung für Insekten- und Makrofotografie ein.

  4. Das Ausfahren des Tubus beim zoomen erhöht die mechanisch Empfindlichkeit bei wiedrigen Umweltbedingungen.


Das war es aber dann aus meiner Sicht schon mit den wesentlichen Nachteilen. Man muss sich gut überlegen, ob man zur Vermeidung den dreifachen Preis akzeptiert. Sicherlich für die Mehrheit der Hobby-Fotografen ein akzeptabler Kompromiss... denn man kann dann doch noch die 5.000 EUR Einsparung in Reisen oder ähnliches investieren...


Bildqualität an den Grenzen

Das Objektiv ist sehr gut in den drei Kategorien:

  • Schärfe

  • Farbsäume

  • Bokeh


Ich überlasse die Detailtests den Profis für Pixel-Peeping und verlasse mich auf meine Bildergebnisse in den verschiedenen Anwendungsbereichen, die mir wichtig sind.


Die Schärfe wird nur bei Offenblende und 600mm ein wenig schlechter. Das lässt sich aber mit der üblichen Bildbearbeitung soweit ausgleichen, dass die Ergebnisse allesamt professionellem Anspruch genügen. Bei Präsentationen online oder Beamer ist das sicher kein Thema. Die Bildstabilisierung macht beim Mitziehen keinen Ärger. Wenn man sicher gehen will stellt man sie auf IS2 (nur vertikal). Für scharfe Bilder im Flug bei 600mm (=1200mm KB) sollte man eher mit 1/2000s belichten, damit meine Faustegel noch passt (1/(4 x Brennweite)).


Kormoran - OM-1 MkII - OM 150-600mm f5.0-6.3; 600mm; f6.3; ISO 320; 1/2000s

Die Freistellungsleistung ist bei der längeren Brennweite und Blende 6.3 (entspricht Blendenwirkung KB von 12.6) immer noch so gut, dass man die meisten Situationen meistern kann.


Graugänse - OM-1 MkII - OM 150-600mm f5.0-6.3; 600mm; f6.3; ISO 1250; 1/2000s

Der Farbfehler ist so gering, dass man ihn vernachlässigen kann. Ich hab nicht alle Situationen getestet, aber extreme Kontrastkanten meistert das Objektiv exzellent, wie man bei diesem Beispiel fast direkt gegen die aufgehende Sonne sehen kann.


Singschwäne gegen die Sonne - OM-1 MkII - OM 150-600mm f5.0-6.3; 600mm; f6.3; ISO 80; 1/2000s

Last, but not least das Bokeh. Ich finde es gut, wenngleich es nicht ganz an das 150-400 rankommt. Das ist sowieso Geschmacks-Sache. Am besten, man probiert das selber mal aus.


Allee - OM-1 MkII - OM 150-600mm f5.0-6.3; 240mm; f7.1; ISO 200; 1/160s
Gimpel im Strauch - OM-1 MkII - OM 150-600mm f5.0-6.3; 600mm; f6.3; ISO 6400; 1/1600s

Diese typische Verdoppelung bei Gestrüpp im Hintergrund, wie hier beim Gimpel ist typisch für Tele-Zoom-Objektive und fällt nicht weiter auf (wenn man nicht drauf hinweist, wie ich hier grade...)


Selbst bei extremen Bildern, die ein Bisschen Übung brauchen war ich absolut überzeugt und hab sehr zufriedenstellend Bildergebnisse mit nach hause gebracht. Und darauf kommt es am Schluss natürlich an meiner Ansicht nach.


Singschwäne im Abflug - OM-1 MkII - OM 150-600mm f5.0-6.3; 600mm; f16; ISO 160; 1/25s

Extender Spielereien

Spannend wird es, wenn die ornithologische Ader durchkommt und man nicht so sehr den künstlerischen Anspruch alleine erfüllen will, sondern bei seltenen und scheuen Vögeln möglichst nah ran will für Videoaufnahmen oder Fotos. Singschwäne sind da ein schönes Beispiel. Mein Fotokollege Carsten Giehl ist mit der Canon EOS 1D X MkIII, dem 2.8/400L II und dem MC20 III sehr gewichtig und professionell unterwegs und wir haben direkte Vergleichsbilder gemacht. Mit dem C-AF hat er keine Chance. Das wird erst mit den neuen R-Modellen ebenbürtig, oder sogar besser als bei der OM-1, bzw. OM-1 Mark II.


Wenn es um Fluchtabstand geht ist Brennweite halt doch "King". Hier drei Vergleichsbilder mit jeweils maximaler Brennweite durch den 2-fach Converter. Alle Bilder sind zum direkten Vergleich auf 4000px Breite gecropped und normal nachbearbeitet.


(C) C.Giehl - Canon EOS 1D X MkIII - EF400mm f2.8 IS III USM + 2x III - 800mm; f6.3; ISO400; 1/2000s
KB 1600mm - OM-1 MkII - OM 150-400mm f4.5 + MC20; 800mm; f9; ISO 500; 1/1600s
KB 2400mm - OM-1 MkII - OM 150-600mm f5.0-6.3 + MC20; 1200mm; f13; ISO 1000; 1/1600s

Da sieht man übrigens, dass die Freistell-Wirkung nicht nur von der Sensorgrösse, sondern stark vom Bildwinkel abhängig ist.



Fazit

Die neue OM-1 Mark II zusammen mit dem OM DIGITAL ED 150-600mm f5.0-6.3 IS kostet in der Kombination ca. 5.000 EUR und ist für Ornithologen und all diejenigen, die gerne Tiere auf der Pirsch fotografieren eine echte Möglichkeit mit halbwegs vernünftigem Preis in die professionelle Tierfotografie einzusteigen.


Insgesamt bin ich überzeugt, ja sogar überrascht, wie leistungsstark das neue M.Zuiko Digital ED 150-600mm F5.0-6.3 IS daherkommt. Die Abstriche gegenüber der "Meisterlinse", dem M.150-400 f4.5 PRO sind für die meisten Anwendungsfälle nicht schmerzlich gross und nur in den Grenzbereichen sichtbar. Mit einem Preis von ca. 2.600 EUR wirklich sehr viel besser als der erste Versuch mit einem Fremdobjektiv, dem ED 100-400 f5.0-6.3 IS, das durch die fehlende Synchronisation und anderen Einschränkungen nicht wirklich eine Alternative zum "grossen Bruder" war.


Dieses hier aber schon, da es bei nahezu gleichem Gewicht, guter Qualität, einem vernünftigen Preis auch noch 100mm mehr Brennweite liefert.


Andreas Geh

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