• Andy

Der MC-20 Teleconverter

Aktualisiert: März 8

Der Olympus M.Zuiko DIGITAL 2x Teleconverter MC-20 im Praxiseinsatz

Ein verlockendes Angebot. Die Brennweite einfach zu verdoppeln mit dem MC20 und weniger als 150g zusätzlich im Rucksack. Erstmal eine gute Idee, aber ich erinnere mich an meine Vollformat-Zeiten und dem Versuch das 4/500mm Objektiv mit einem 2x Konverter auf ein 8/1000mm zu erweitern. Die Bildergebnisse waren nicht überzeugend und ich habe so einen 2x Konverter dann auch nie mehr verwendet.


Neuer Versuch

Jetzt hat Olympus diesen Konverter 2019 rausgebracht und mich gebeten, ihn zu testen. Meine erste Reaktion war entsprechend verhalten. Ich bin mit dem 300er ja sehr zufrieden, wozu brauch ich sowas. Ein Konverter macht die Bildqualität kaputt und in der MFT-Welt wäre das am 300er ja ein Äquivalent von 1.200mm mit einer Bildwirkung von Blende 16...

Naja, dachte ich.Erste Testergebnisse und Bilder, die ich gesehen hatte, haben mich aber dann doch neugierig gemacht. Die Bildqualität scheint sehr gut zu sein.


Raus in die Wildnis

Also habe ich den MC20 in verschiedenen Situationen getestet und auf eine Expedition in den Sarek-Nationalpark Ende September mitgenommen, denn dort ist es besonders wichtig, die Ausrüstung leicht zu halten. Trotzdem war verlockend, die o.g. 1200mm als Option dabei zu haben, wenn ich scheuen Tieren begegne.



Enorme Bandbreite

Am Rucksack in Frontload-Technik vor der Brust hatte die M1X, das 7-14mm, das 12-100mm, das 300mm und den MC20 dabei. Also im KB-Vergleich von 14 – 1200mm Brennweite griffbereit mit weniger als 7 KG Gesamtgewicht für die Fotoausrüstung. Das ist eine enorme fotografische Bandbreite.


(Weite Landschaft M1X, 7-14mm@7mm ,1/50s, F8, ISO 200, HighRes)


(Rentiere M1X, 300mm ,1/800s, F7.1, -3/10 Korr. ISO 200)


Birkhuhn M1X, 300mm + MC20,1/50s, F8, +3/10 Korr. ISO 2500


Wenn man sich vorstellt, dass man die Bandbreite der oberen drei Bilder mit einer Ausrüstung von ca. 7Kg und aus der Hand fotografieren kann, ist das schon enorm.


Auch in der Nähe mehr Möglichkeiten

Der Konverter ist speziell ausgelegt für das M.Zuiko ED 300mm F4 IS PRO und das ED 40-150mm F2.8 PRO. Neben der wirklich guten Bildqualität, vor Allem beim 300er finde ich die Naheinstellgrenze besonders spannend. Beim 300er liegt sie mit Konverter bei 1.4m. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten in der Detailfotografie, denn der Abbildungsmaßstab liegt fast bei 1:1 und macht die Kombi so zu einem hervorragenden Makro-Objektiv für Tiere, die Abstand brauchen. Auch beim 40-150 ist die Einstellgrenze bei ca. 65cm und bietet einen Abbildungsmaßstab von 1:1.2. Dieser Aspekt rechtfertigt für mich auf jeden Fall, dass der MC20 im Rucksack ein „Immer-dabei-Teil“ geworden ist.


(Enzian M1X, 40-150mm@120mm + MC20, 1/100s, F8, ISO 400 an der Naheinstellgrenze)


Die Bildqualität

Man kann zur Prüfung der Bildqualität in Pixelpeeper-Manier natürlich alles Mögliche anstellen. Wer meine Berichte kennt, weiß, dass ich pragmatische Ansätze bevorzuge. So habe ich den Vollmond als Referenz hergenommen, denn das kann jeder selbst nachvollziehen, bzw. ausprobieren. Zudem kann ich hier einen weiteren Aspekt zeigen, der klarmacht, dass immer das ganze System zu betrachten ist. Die M1X mit dem unglaublichen Handheld-HighRes Modus (siehe mein Bericht: Erster Praxistest mit der M1X) und der Kombi aus 300mm + MC20 gibt mir die Möglichkeit, aus der Hand bei 1200mm KB-equivalent Bilder zu machen mit 50MPix Auflösung und bei Belichtungszeiten bis runter zu 1/40s.


(Vergleich: Links M1X + 300mm 1/200s F5.6 ISO 200; Rechts: M1X + 300mm + MC20 1/80s F8 ISO 200 HighRes)


Dieser Vergleich zeigt, wie die Kombination aus Kamera, Objektiv, Konverter und HighRes die Möglichkeiten steigert. Bei gleicher Auflösung haben wir praktisch 4x mehr Vergrösserung. Somit wäre der Mond bei "normaler" Auflösung wie mit 2.400mm KB-equivalenter Brennweite fotografiert. Und zwar aus der Hand. Probiert es selber einfach mal aus.In der normalen Naturfotografie und bei vernünftigen Abständen zu den Tieren, was nach wie vor wichtig ist für gute Bilder bin ich mit der Bildqualität absolut zufrieden.


(Eichelhäher M1X, 300mm + MC20, 1/40s, F8, ISO 640)


Wie man bei dem Bild vom Eichelhäher sieht, ist Kontrast und Auflösung prima. Ich hab dieses Bild mit 1/40s aus der Hand durchs Fenster fotografiert. Man kann es am Regen sehen, dass die Belichtungszeit lange war. Selbst in der 1:1 Ansicht ist die Qualität auf absolut professionellem Neveau. Und somit ist gerade bei scheuen Tieren, wie z.B. die Kraniche der Spielraum erweitert. Diese Tiere begeistern mich total, weil ich ja jetzt seit Mitte 2019 am Nordwestrand von Berlin in einer Region lebe, wo sie praktisch vor der Haustür sind.


(Kraniche M1X, 300mm + MC20, 1/400s, F8, ISO 800)


Natürlich möchte ich nicht verheimlichen, dass es auch Grenzen gibt mit so einem Konverter. Am 40-150er ist der Autofokus etwas langsamer. Schärfe und Kontrast lassen geringfügig nach. Am 300er ist das aber praktisch nicht zu sehen, weswegen ich ihn auch in erster Linie als Erweiterung des 300er nutze. Was mich am meisten überraschte, ist die geringe Aberration. Das zeigt, dass der Konverter exzellent gerechnet ist für diese Kombi.


Die Luft begrenzt die Möglichkeiten

Die größten Einschränkungen liegen aber außerhalb der Objektive. Wer mit solchen Brennweiten fotografiert, muss sich einfach bewusst sein, dass die Luft zwischen Frontlinse und Objekt auch eine „Linse“ darstellt. Wird der Abstand zu groß, ergeben sich durch die Luftbewegungen und Feuchtigkeit zwangsläufig Qualitätseinbußen, die in Auflösung, Schärfe und Kontrast zu sehen sind.


(OM-D E-M1X + 300mm F4 + MC20; 1/400s F8; ISO 1250)


Fazit

Wenn man das berücksichtigt und den MC20 nicht nur dazu verwenden will, aus größerer Entfernung „Meister-Portraits“ zu schießen, dann ist er als Ergänzung der Ausrüstung hervorragend.


Unterm Strich bin ich überzeugt vom MC20 und ertappe mich immer mal wieder dabei, ihn vor allem am 300er zu nutzen, um Ausschnitte oder Details zu fotografieren, die sonst nicht möglich sind. Das habe ich früher mit der Vollformat-Ausrüstung nie gemacht. Es lohnt sich meiner Ansicht nach auf jeden Fall, die 150 Gramm in den Rucksack zu packen.

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